Autor: Cindy

Perfekt

Ich sehe mich fotografieren, zeichnen, sticken, schreiben.Doch laufe ich mit der Kamera durch die Straßen und traue mich nicht zu fotografieren. Doch nehme ich an einem Sketchnoting-Workshop teil und mache danach keinen Strich. Doch gehe ich zum Stickkurs und lasse das angefangene Bild unvollendet im Schrank. Doch sammle ich Notizbücher und schreibe keine Worte hinein. Weil das alles nicht perfekt ist. Weil ich nicht perfekt bin.

Bleistift

Wenn ich mir meine Notizbücher so anschaue, dann gibt es immer wieder Phasen, in denen ich ausschließlich mit Bleistift schreibe. Ganz egal ob Gesprächsnotizen, Konzeptideen oder Textbausteine. Eine Vorliebe könnte man meinen, eine Marotte vielleicht. Tatsächlich sind diese Bleistiftphasen jedoch eng verbunden mit unzähligen zweifelnden Momenten. Mein Unterbewusstsein möchte sich wahrscheinlich gerade dann die Option offenhalten, die Gedanken auszuradieren, weil sie nicht gut genug sind, nicht schlau genug, nicht innovativ genug. Scheinbar weiß es nicht, dass ich die Seiten auch einfach zerreißen kann, sie löschen kann auf die altmodische Art. Doch jetzt einfach so direkt zum Caran d’Ache greifen, zum Lieblingsstift im satten Olivton, so funktioniert es nicht, dieses Unterbewusstsein.

Jón Kalman Stefánsson: Sommerlicht, und dann kommt die Nacht

Wie wohl so viele fasziniert auch mich Island. Bisher habe ich jedoch noch keinen Fuß auf die Insel gesetzt – und mit Blick auf den alljährlichen, für mich wenig attraktiven Besucher:innenansturm (okay, außer jetzt zu Coronazeiten) bleibt das sicher auch noch eine ganze Weile so. Wie gut, dass ich mich gedanklich ganz easy in dieses faszinierende Land beamen kann, einfach Jón Kalman Stefánsson lesen und Helgi Jonsson lauschen. Ihr wollt auch ein bisschen in Gedanken reisen? Nichts einfacher als das. Als einer der wohl bekanntesten Schriftsteller:innen Islands hat Jón Kalman Stefánsson so einiges an Literatur für uns in petto. Mit seinen Büchern hat er so manche Preise abgeräumt. Meine Freundin aus Dänemark – als Nordlicht und Bibliothekarin muss sie wissen, was gut ist – empfahl mir „Sommerlicht, und dann kommt die Nacht“ von ihm zu lesen. In diesem Roman entführt uns Jón Kalman Stefánsson in ein kleines isländisches Dorf und das Leben der Bewohner:innen. Er erzählt ihre Geschichten, die bisweilen skurril, dramatisch oder mystisch daherkommen. Einige Leser:innen finden, dass die Menschen von ihm nicht immer …

Raabe & Kampf

Wenn ich morgens 6:30 Uhr in die Pedalen meines minikleinen Hometrainers (ein großer Dank geht an meine Nachbarin, die mich so durch die Fitnessstudio-freie Zeit rettet) trete, habe ich ausnahmslos immer einen Podcast auf den Ohren. Für mich ist das einfach der perfekte Start in die Tag, denn so bewege ich nicht nur meinen Körper, sondern auch mein Hirn. Ein Highlight ist für mich immer der wöchentliche Podcast „Raabe & Kampf“ von Melanie Raabe und Laura Kampf. Melanie Raabe begeistert mich mit ihren Büchern wie „Die Falle“ und „Der Schatten“; Laura Kampf brilliert unter anderem mit ihren spektakulären DIY-Erfindungen und Machgeschichten in „Die Sendung mit der Maus“. Diese zwei sensationell kreativen Frauen kommen aus dem gleichen Ort, und sie machen mit ihrem Podcast genau das, was ich als Kind auf dem Dorf im Nirgendwo mit meinem Kassettenrekorder und meinen Freundinnen geliebt habe – eine eigene Sendung. Nur eben professionell. Und das lohnt sich wirklich anzuhören, vor allem, wenn man sich für kreatives Arbeiten und Freiberuflichkeit interessiert. Bei meinen Kassetten von damals hingegen ist es wohl …

Verena Kessler: Die Gespenster von Demmin

||Unbezahlte Werbung|| Eine Hausboottour auf der Peene – dem Amazonas des Nordens, echt wahr – ruft nach Bücherbergen. Und da kam das damals gerade neu veröffentlichte „Die Gespenster von Demmin“ von Verena Kessler gerade recht, denn Demmin würden wir in jedem Fall passieren. Dieses Debüt verbindet reale Ereignisse mit fiktionaler Realität, eine Kombination, die mir in Romanen besonders gefällt. Auch weil ich dann Neues über ein Ereignis, eine Stadt, ein Land lernen kann. Tatsächlich hatte ich von den Geschehnissen in Demmin im Mai 1945 noch nie etwas gehört. Doch zunächst einmal zu Larry. Ihr sehnlichster Wunsch ist es Kriegsreporterin zu werden, und dafür trainiert sie fleißig. Am liebsten kopfüber am Apfelbaum. Gerne mit ihrer Freundin. Immer in Sichtweite von Frau Dohlberg. Diese ältere Dame suchen immer wieder ihre Erinnerungen an den Krieg heim, vor allem an die Tage im Mai 1945, als sich in Demmin unzählige Menschen das Leben nahmen. Genau dafür wiederum interessiert sich Larry … doch sie spricht nicht mit ihr, die davon so einiges erzählen könnte. Mithilfe sorgsam gewählter Sprache widmet sich …